05.06.26 Exkursion – Besichtigung der Querung Grüze
05.06.26 Exkursion – Besichtigung der Querung Grüze

05.06.26 Exkursion – Besichtigung der Querung Grüze

Rund 20 Alumni des Fachbereichs Engineering & Architecture folgten der Einladung zur Besichtigung der Querung Grüze – einem der bedeutendsten Infrastrukturprojekte, das Winterthur derzeit realisiert. Hanspeter Räbsamen, Projektleiter seitens der Stadt Winterthur, führte die Gruppe durch die Baustelle und vermittelte mit sichtlicher Begeisterung einen tiefen Einblick in Planung und Umsetzung.

Das Herzstück ist die knapp 400 Meter lange Leonie-Moser-Brücke: eine reine ÖV-Brücke, die den Bahnhof Grüze überspannt und das aufstrebende Quartier Neuhegi direkter mit der Innenstadt verbindet. Langfristig soll der Bahnhof Grüze zum zweitwichtigsten Bahnhof Winterthurs werden – mit einem S-Bahnangebot, das bis 2050 mit dem heutigen Hauptbahnhof vergleichbar ist. «Für Privatfahrzeuge bleibt die Brücke gesperrt – Velos und Fussgänger sind hingegen willkommen», so Rebsamen. Der Hauptbahnhof Winterthur stosse mit täglich rund 120’000 Personen an seine Kapazitätsgrenzen; die neue Verbindung soll ihn spürbar entlasten. Deadline ist der Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2026.

Imposantes Bauwerk mit komplexen Herausforderungen

Räbsamen machte die Gruppe auf zahlreiche technische Details und Herausforderungen aufmerksam. Rund 8’000 Kubikmeter Beton wurden verbaut; der Brückenkörper mit charakteristischem Knick ist zu 90 Prozent im Rohbau fertiggestellt. Der zentrale Brückenplatz wird über 20 Meter breit sein – breit genug, dass vier Busse nebeneinander fahren und überholen können.

Besondere Knacknüsse waren die Koordination mit der SBB bei den elektrifizierten Gleisen und Fahrleitungsmasten sowie Fragen rund um Hitzemanagement und Begrünung: Eine Beschattung der Brücke durch Bäume scheiterte am Einspruch der SBB wegen Sicherheitsüberlegungen; stattdessen wird eine Vertikalbegrünung angestrebt. «Das Gesamtbudget beläuft sich auf 76 Millionen Franken, wovon 90 Prozent von Bund und Kanton Zürich getragen werden», so Rebsamen.

Aus Industriebrache wird lebendiges Quartier

Der Blick ging auch in die Zukunft: Das Gebiet Neuhegi-Grüze soll zu einem dicht und gemischt genutzten Stadtteil werden. Rund um die Brücke sind Hochhäuser mit Gastro, Einkauf und ÖV-Flächen geplant. Im Endzustand soll die Brücke kaum mehr als solche erkennbar sein – integriert in ein neues Stadtquartier, das die frühere «verbotene Stadt» der Sulzer-Industrieanlagen ablöst. Das Projekt wurde im November 2020 von der Winterthurer Stimmbevölkerung mit rund 63 Prozent Zustimmung genehmigt.

Die Teilnehmenden zeigten grosses Interesse und nutzten die Führung für zahlreiche Fragen. Beim anschliessenden Apéro im Molly Malone Irish Pub liess die Gruppe den Abend gesellig ausklingen.

Text: Kathrin Reimann